Lang ersehnt, millionenfach erwartet: die neue Serie

Samstags in Duisburg
(Teil 1)

Samstag, 27. August. „Samstags in Duisburg“ – sehr schöne Überschrift. Finden Sie nicht auch? „Samstags in Duisburg“ – das klingt so nach einer Mischung aus „Immer wieder samstags“ und „Schlaflos in Seattle“. Samstags in Duisburg ist toll! Begründung: erstens wegen des Samstags, zweitens wegen Duisburg.
Zu 1) Am Samstag hat man mehr Zeit. Zum Beispiel auch zum Zeitunglesen. Und weil das so ist, verkaufen die Zeitungen am Samstag auch deutlich mehr Exemplare als werktags. Bestimmt auch in Duisburg.
Zu 2) Und in den Duisburger Zeitungen steht dann drin, was alles so passiert. In Duisburg, na klar. Nicht nur samstags, auch samstags, aber auch sonst so. Am Samstag hat man nur einfach mehr Zeit, dies so richtig zu genießen. Und sei es beim Zeitunglesen.

Heute ist Samstag, der 27. August. Here Duisburg calling. My Name is Werner Jurga, und ich berichte live aus der Halbmillionenmetropole an Rhein und Ruhr. Okay, das ist jetzt etwas übertrieben. Also: ich sitze hier in … - richtig: Duisburg – am Frühstückstisch, lese Zeitung und erzähle Ihnen mal ein bisschen, was so drin steht.
Ach so, erst einmal die Zeitungen: in Duisburg haben wir derer drei. Also Tageszeitungen. Noch einige Anzeigenblätter, die ihrerseits wiederum den beiden Zeitungsverlagen gehören, in denen die beiden Tageszeitungen erscheinen. Capito?
Da hätten wir einmal die Rheinische Post (RP), aus deren Verlagshaus in der Mitte und am Ende der Woche Gratisblätter die Briefkästen kostenlos füllen. Zwei verschiedene Titel; das gleiche Spiel in der WAZ-Gruppe, die mit den Tageszeitungen NRZ und WAZ am Markt antritt.

RP, NRZ und WAZ. Samstags in Duisburg. Gucken wir mal, was sie so schreiben! Die RP-Lokalredaktion wird geleitet von Hildegard Chudobba. Frau Chudobbas Verhältnis zur Duisburger Stadtpolitik lässt sich am kürzesten durch einen Vergleich erklären. Denken Sie einfach an die Beziehung zwischen dem Neuen Deutschland (ND) – damals natürlich! – und Erich Honecker.
Umso erstaunlicher, dass heute nicht etwa der bedeutende Oberbürgermeister im Zentrum der RP-Aufmerksamkeit steht, zumal sich
Adolf Sauerland gestern höchst selbst nach draußen getraut hatte! Auf eine Kirmes, auf die Beecker Kirmes – hört, hört! Nein, Hilde berichtet über Karl Janssen, einen Minister der Sauerland-Regierung. Kann ich mir auch nicht erklären, werde ich mal bei den Burgplatz-Astrologen nachhören müssen.
Jedenfalls, Karl Janssen, ein
Top-Mann, spricht die Probleme der Kinder aus den neuen Migrantenfamilien an. Ähnlich wie in Berlin, Dortmund und anderen Großstädten ziehen Rumänen und Bulgaren - häufig Roma, aus Bulgarien auch ethnische Türken – in die „Problemstadtteile“ Duisburgs.
Gut gemacht, Herr Janssen! Dran bleiben! Okay, ich wusste schon Bescheid, zum Beispiel auch deshalb, weil WAZ und NRZ schon Tage zuvor über Hochfeld und Janssen berichtet hatten. Egal, Hildegard Chudobba wird wissen, was sie tut. Ihr
Artikel heißt: „Duisburg: Kein Platz für Schulkinder“. Sehr schöne Überschrift.

Ingo Blazejewski ist der Redaktionsleiter der NRZ in Duisburg. Er bringt ein „Feature“, also einen ausführlichen Hintergrundbericht zur Abfallpolitik und Entsorgungsökonomie in Duisburg. Titel: „Duisburger produzieren deutlich mehr Müll als der normale Bundesbürger“.
Interessant. Andererseits, schon wegen der politischen Korrektheit, möchte ich nicht versäumen hinzuzufügen, dass – jedenfalls im Prinzip, also so an und für sich … - Normal bundesbürgerlich ist es hier nicht, aber man muss auch das mal sagen dürfen: der Duisburger an sich schmutzt nicht!

Deutlich auflagenstärker ist freilich die große Schwester der NRZ, nämlich die WAZ, die Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Die Duisburger WAZ-Redaktion wird geleitet von Oliver Schmeer. Sein heutiger Leitartikel („Stadtgespräch“) handelt „von U-Booten und Kommandofragen“.
Schmeer beginnt mit einem Kunst-U-Boot, das er zwar – unter künstlerischen Gesichtspunkten – gut fände, dennoch aber in der Bevölkerung auf Akzeptanzprobleme stoßen könne, weil es nämlich materiell nichts Anderes sei / ist als … Schrott.
Schrott ist dann auch der Schlüsselbergriff dieses Wochenrückblicks. „Der Museums-Quader“, gedacht als „Duisburgs neue spektakuläre Landmarke“, nun ein „Mahnmal für skandalösen Pfusch am Bau und Missmanagement“. Die prekäre Situation seiner Bauherrin, der stadteigenen Wohnungsbaugesellschaft GEBAG. Und dann: die Stadtpolitik auf dem Burgplatz.
Schmeers artikuliert seine Sorge, die Abwahlinitiative gegen Sauerland könne zwar die notwendige Zahl an Unterschriften erreichen, am Tag der Abstimmung in den Wahllokalen könne es aber angesichts der Hürde von 90000 Stimmen knapp werden. Ein Scheitern, und dann? Drei Jahre weiter mit Sauerland? „Das kann sich Duisburg nicht leisten“ (Oliver Schmeer).

Zumal es in der rot-rot-grünen Rathausmehrheit einige Reibungspunkte gäbe, die dazu führten, dass sie, so Schmeer, „so stabil nicht“ sei. Interessant. Leider steht dieser Artikel nicht online. Vielleicht wird er noch ins Netz gestellt, das glaube ich aber eher nicht (Nachtrag: Falsch geglaubt; hier ist er). Ja, mein Gott! Wenn Sie diese Pöstchenschieberei wirklich so drängend interessieren sollte, dann gehen Sie halt ans nächste Kiosk oder an die nächste Tanke und kaufen sich die Zeitung.
Dann kommen Sie wenigstens mal vor die Tür. Samstags in Duisburg.
Kein Platz für Schulkinder, Duisburger produzieren deutlich mehr Müll als der normale Bundesbürger, von U-Booten und Kommandofragen – es ist schon ziemlich geil hier in Duisburg. Nicht nur heute, sondern eigentlich immer, vor allem aber: samstags in Duisburg.

Werner Jurga, 27.08.2011