Gil Yaron während seines Vortrags in Mülheim
Foto: Günter Reichwein

Info-Veranstaltung mit Gil Yaron


Düstere Aussichten im Nahen Osten


19. November 2014. Die Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) hatte zu einem Info-Abend über die politische Situation im Nahen Osten ins Mülheimer Medienhaus eingeladen. Mehr als hundert Zuhörer erhielten am Montag vom deutsch-israelischen Journalisten Dr. Gil Yaron Einblicke in den Vorderen Orient, wie sie hierzulande für gewöhnlich nicht gewährt werden. Yaron referierte über die Frage, ob der „Frieden im Nahen Osten eine Utopie“, so der Titel der Veranstaltung, sei. Dabei beschränkte er sich nicht auf den „Nahostkonflikt“, worunter i.d.R. der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern verstanden wird. Vielmehr nahm Yaron den gesamten gegenwärtigen Zerfallsprozess der arabischen Welt in den Blick.


Die arabischen Staaten seien gekennzeichnet durch eine dramatische Entwicklungsblockade, die durch die Mängel an Bildung, bei der Emanzipation der Frau und vor allem bezüglich Freiheit und Demokratie verursacht wurde. Der daraus resultierende „arabische Frühling“ habe aber, so Yaron, eben nicht zu einer Verbesserung der Lebenssituation geführt, sondern – ganz im Gegenteil – die Menschen in Not und Elend getrieben sowie vielerorts in entsetzliche (Bürger-) Kriege. Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung seien die Konsequenzen – bei Menschen, für die „der Staat“ niemals etwas Positives dargestellt hätte, sondern stets nur der Unterdrücker gewesen sei. Die „Leerstelle“ Identität und Gruppenzugehörigkeit werde – schon seit langem – gefüllt von der Religion.


Als Folgen dieses Trends benennt Gil Yaron nicht nur die Sackgasse im israelisch-palästinensischen „Friedensprozess“, sondern auch das Versinken der arabischen Staaten in (zumeist) bewaffnete Konflikte bis hin ihrem Zerfall. Der Siegeszug der Terrororganisation „Islamischer Staat“ sei der augenfällige Ausdruck dieses Prozesses. Diese Destabilisierung der gesamten Region habe unmittelbare Auswirkungen auf die Sicherheitslage Israels, mache sich aber darüber hinaus auch in Europa, insbesondere in Deutschland, bemerkbar. Die Flüchtlingsbewegungen aus dem Nahen Osten und aus Nordafrika seien „erst der Anfang“, meinte Yaron. Er begründete seine düstere Prognose mit der sich nicht zuletzt durch den Klimawandel verschärfenden Wasserknappheit in der Region.


Werner Jurga, 19.11.2014




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